Egon Schiele Museum -
Die Anfänge des Künstlers
Egon Schiele ist der zentrale Künstler der österreichischen Moderne. Das Egon Schiele Museum der Geburtsstadt Tulln zeigt als einziges Haus überhaupt eine umfassende Darstellung seines Frühwerks. Damit wird der Besuch in Tulln zu einer Zeitreise in die Kindheit des Künstlers. Rund 50 Originalwerke Egon Schieles zeichnen das Werden des Ausnahmekünstlers nach – von einer grandiosen Eisenbahnskizze des Zehnjährigen bis zu Werken der Akademie-Zeit, die neben der technischen Begabung auch den Veränderungswillen des Künstlers belegen.
Egon Schiele verbringt von 1890 bis 1901 die ersten zehn Lebensjahre in Tulln und wächst als Sohn des Bahnhofsvorstandes mit drei Schwestern in behüteten Verhältnissen auf. Zahlreiche Familienfotos der Tullner Zeit vermitteln eine idyllische Kindheit: Schiele entdeckt dabei seine Liebe zum Kinderspielzeug, besonders zur Eisenbahn, die ihn Zeit Lebens nicht loslassen sollte. Das Phänomen Spielenden ( „Homo Ludens“), der noch im Erwachsenenalter Rituale seiner Kindheit bedient, wird in der Ausstellung durch die Inszenierung der Welt des Kindes in der Zeit „um 1900“ dargelegt.
Nach Schul-Aufenthalten in Krems und Klosterneuburg wird Egon Schiele im Jahr 1906 an der Akademie der bildenden Künste in Wien aufgenommen. Die Akademie-Zeit bedeutet für den Künstler – neben der Weiterentwicklung des Handwerklichen – eine unerträgliche Einengung seines Gestaltungswillens. 1909 tritt Schiele unter Protest mit Künstlerkollegen aus der Akademie aus und gründet die „Neukunstgruppe“. Mit diesem Schritt endet der Schwerpunkt des Tullner Museums, während andere Sammlungen mit diesem Jahr die ersten Werkgruppen präsentieren.
Das Egon Schiele Museum Tulln vereint Werke des Landesmuseums Niederösterreich mit Arbeiten der Stadt Tulln und der Sammlung Werner Gradisch, die als letzte große Kollektion im Familienbesitz verblieben ist.
Eine kleine aber umso reichere Privatsammlung aus der Umgebung Wiens rundet die Präsentation ab.
Neben Fotos, Dokumenten und künstlerischen Arbeiten wird die Kindheit in Tulln anhand ausgewählter Beispiele des Spielzeugs der Zeit um 1900 dargelegt. Wenn sich auch keine Spielsachen aus seinem Besitz erhalten haben, so ist Schieles Liebe zur Technik genauso belegt wie sein Umgang mit zahlreichen Spielsachen, von der Eisenbahn über Puppen bis hin zum Schaukelpferd.
Dies führt über die Tullner Zeit Schieles, die er gemeinsam mit seinen Schwestern Elvira, Melanie und Gertrud verbrachte, weit hinaus. Arthur Roessler, der Schieles Schaffen über viele Jahre umsichtig begleitet hat, berichtet von einem Sommeraufenthalt am Traunsee des Jahres 1913, wo Schiele dreiundzwanzigjährig „inmitten des Raumes auf dem blanken Boden saß und eine durch Stahlfederkraft betriebene, überaus nett gearbeitete Spielzeug-Eisenbahn im Kreis fahren“ ließ. Im Fortleben von Talenten, Erinnerungen, Vorlieben und Requisiten der Kindheit vermag die Tullner Ausstellung auch Aspekte des reifen Künstlers zu hinterfragen.
Erkennt man die herausragende künstlerische Kraft des späteren Superstars schon im Kindes- und Jugendlichen-Alter? Was nahm Schiele aus seiner Geburtsstadt Tulln mit auf den Lebensweg? Welche Bedeutung hatten Sentimentalitäten der Kindheit – wie etwa die Welt des Spielzeugs für Schiele? Diese Fragestellungen können nur gemeinsam mit anderen Schiele-Kompetenzzentren, allem voran dem Leopold Museum beantwortet werden. Das im Jahr 2011 runderneuerte Egon Schiele Museum Tulln ist dabei allerdings unverzichtbar.
Außenstelle Geburtszimmer

Dank des Entgegenkommens der Direktion der österreichischen Bundesbahnen konnte das Egon Schiele Museum 1995 im Tullner Bahnhof das Geburtszimmer Schieles sowie einen angrenzenden Raum mieten. Das Geburtszimmer wurde mit epochen-getreuen Möbeln eingerichtet. Der original Kachelofen, in dem Schieles Vater seine Aktien in einem Anflug geistiger Verwirrung verbrannt hat, wird ausgestellt. Zwei Ehebetten samt den dazugehörigen Nachtkästchen, ein Waschtisch sowie Fotos der Familie Schiele ergänzen die Einrichtung.
Der zweite Raum ist jenen Menschen aus Schieles Familie gewidmet, die mit der Eisenbahn zu tun hatten und beinhaltet außerdem eine Eisenbahn mit nachgebauten Zügen der Zeit um 1890.
Zu besichtigen sind die beiden Räume nur nach
Voranmeldung im Egon Schiele Museum
(+43-2272 64 570). Anreise >>